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Motivation als Puzzle

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Motivation ist für mich eines der ganz großen Themen. Im Studium habe ich viel über das Fachliche gelernt und wenig darüber, wie ich mein Wissen anderen bekömmlich vermitteln kann. In den letzten Jahren habe ich mir viel zu diesem Thema erarbeitet. Heute möchte ich Motivation mit einem Puzzle vergleichen …

Gleich zu Beginn muss ich sagen: Ich habe das Rad nicht neu erfunden! Ich beschreibe hier nur wie man es meiner Meinung nach sinnvoll benutzen kann. 😉

Schaut Euch bitte einmal folgendes Bild an:

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Stellt Euch vor, Ihr steht mitten in dieser Landschaft und das Bild zeigt das was Ihr vor Euch seht.

Wie groß ist Eure Motivation auf die Hügelkuppe zu laufen?

Und jetzt schaut Euch bitte das nächste Bild an:

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Wie sieht es hier mit der Motivation aus, auf die Hügelkuppe zu laufen?

Sichtbare Teilziele

Ich habe meinen Schülern sehr oft gesagt, sie sollen sich beim Üben KLEINE Etappenziele setzen um den Übeerfolg möglichst oft spüren zu können. Meistens habe ich ihnen diesen Rat nach einer umfassenden Unterrichtsstunde mit auf dem Weg gegeben.

  •  Aber WAS bedeutet Übeerfolg für den Einzelnen?
  • Reicht es etwas nur zu erklären?

Ich brauchte Zeit zu begreifen, dass ich dieses Konzept auch in den Unterricht einarbeiten sollte, damit meine Schüler damit wirklich etwas anfangen können.

Früher habe ich mein Wissen genommen, es vor den Schülern ausgeschüttet und erwartet, dass sie dieses Wissen selber in Teiletappen unterteilen und für sich selber strukturieren. Natürlich gibt es Schüler, die damit kein Problem haben, aber das ist nach meinen Erfahrungen nicht die Mehrzahl.

Erst mit der Zeit habe ich begriffen, wie wichtig es bereits im Unterricht ist die häusliche Übesituation nachzustellen und durchzuspielen. Geht der Schüler mit einem Gefühl der „Machbarkeit“ seiner Aufgabe und einer klaren Vorstellung über das alltagstaugliche „WIE“ nach Hause, dann ist schon viel gewonnen.

Früher dachte ich, ich vermittle Informationen, inzwischen ist mir klar, dass ich besonders den sinnvollen Umgang mit diesen Informationen vermitteln muss.

Seither stelle ich mir zum Beispiel folgende Fragen:

  • Wie schreibe ich die wichtigsten Informationen für den Schüler/die Schülerin so auf, dass bereits ein Blick in`s Hausaufgabenheft zum Üben anregt?
  • Welche Menge an Informationen schüchtert den/die jeweiligen Schüler ein, welche Menge motiviert?
  • Wie erzeuge ich Neugier?
  • Wie kann ich eine Unterrichtsstunde aufbauen, damit sie die Situation einer eigenständigen Übeeinheit des Schülers/der Schülerin nachstellt?
  • Wann ist es sinnvoll neues Wissen zu vermitteln und wann ist es wichtiger am Bewusstsein für das bereits vorhandene Können zu arbeiten?
  • Wie schaffe ich beim Schüler das Vertrauen dass viele kleine Schritte manchmal schneller zum Ziel führen?
  • WIE finde ich heraus WO genau sich die Frustrationstoleranz eines Schülers befindet und WAS die Motivation ausmacht?

Die Frage nach dem WARUM und dem WIE

Ich habe das Gefühl, dass man im Alltag oft darüber informiert wird, DASS man „ETWAS“ erreichen kann.

  • Was ist dieses ETWAS?
  • WARUM ist es sinnvoll bestimmte Ziele zu verfolgen?
  • WIE wurden die angezeigten Ziele eigentlich erreicht?

Vielleicht machen genau diese aufgenommenen Erfolgs-Informationen in ihrer Summe unmotiviert? Erinnert Euch nochmal an die Bilder: Auf dem ersten Bild liegt eine kahle Hügelkuppe. Vielleicht befindet sich dahinter eine tolle Aussicht oder eine interessante Stadt – aber eben nur vielleicht. Auf dem zweiten Bild stehen auf der Kuppe 2 Bäume. Allein diese Bäume lassen die Kuppe wesentlich weniger anonym wirken und allein diese Bäume können motivieren zB. die Kuppe zu ersteigen um dann im Schatten der Bäume ausruhen zu können.

  • WAS muss auf der Hügelkuppe stehen um die Motivation zum loslaufen zu steigern?

Das eigene Lob und der Blick von oben auf das Puzzle

Wir lesen selten in einer Zeitung oder im Internet, dass sich Künstler/Künstlerin XY stolz darüber schätzt, zum dritten Mal in Folge eine D-Dur Tonleiter sauber gespielt zu haben. Dafür liest man aber, dass XY das dritte Album herausgebracht hat oder einen Preis erhalten hat. Wir werden selten über das WIE sondern fast immer über das WAS informiert.

Deshalb bekommen Lernende für das Erreichen kleiner Teilziele nur selten Lob aus ihrem Umfeld.

Aber genau dieses Lob braucht es, deshalb: GEBT ES EUCH SELBST! Auch die Eltern von Schülern müssen oft erst lernen den Wert der einzelnen Lernschritte ihrer Kinder wirklich zu schätzen und angemessen zu loben. Nicht allein Talent schafft Können, sondern mindestens so wichtig sind Ausdauer, Bestätigung, die Bereitschaft Rückschläge auszuhalten u.v.m.

Man lernt im Instrumentalunterricht nicht nur ein Instrument zu spielen!

Die Fähigkeit ein Instrument zu spielen ist mit vielen anderne Kompetenzen verknüpft. Es ist ein Schatz, den man nicht im Internet bestellen kann und der Morgen via Expressversand geliefert wird. Man lernt Geduld, man lernt zu „lernen“, man lernt den Wert kleiner Erfolge, man lernt zu kommunizieren, zu Fragen, zu scheitern, wieder aufzustehen und mutig weiter zu probieren. Man lernt, dass Liebe und Ausdauer zu Erfolg führen können und das Erfolg etwas ganz persönliches ist und manchmal wenig mit dem zu tun hat, was uns in den Medien als „Erfolg“ verkauft wird.

Warum mir das Bild vom Puzzle so gut gefällt:

Ein Puzzel gibt sein Gesamtbild erst nach vielen kleinen Schritten frei. Bei einem Puzzle glauben wir daran, dass dieses Bild existiert. Sitzt man dicht über ein Puzzle gebeugt, verliert man schnell den Überblick. Steht man immer wieder auf um es mit Abstand zu betrachten, wird der Fortschritt schnell erkennbar und motiviert zum weitermachen.

Wie macht man den Fortschritt am Instrument sichtbar?

Dokumentiert Eure Geschichte: Nehmt Euch auf und hört es Euch mit Abstand wieder an. Spielt anderen etwas vor, sucht Euch Menschen die Euch unterstützen und schärft auch deren Blick für Eure Fortschritte. Spielt mit anderen gemeinsam und führt so Euer Können zusammen. Bittet Eure Lehrer(innen) um Anleitung für überschaubare Übungseinheiten. Schreibt Euch Fragen auf und bringt sie dem Lehrer/der Lehrerin mit. Schafft Höhepunkte auf die ihr zuarbeitet – nehmt an Schülerkonzerten teil….

Ideen für Eltern:

  • Vergleicht Eure Kinder bitte nicht im Sinne von Erfolg mit anderen Kindern. Erfolg ist individuell!
  • Kinder lernen im Unterricht mehr als ein Lied vorzeigbar zu spielen – aber auch das werden sie mit der Zeit lernen – unterstützt sie auf ihrem Weg dabei.
  • Lebt den Kindern die Freude über kleine erreichte Ziele vor, sonst glauben sie Euch nicht wenn sie selbst für welche gelobt werden.
  • Wenn ein Kind nicht motiviert ist, sprecht bitte mit dem Lehrer/der Lehrerin. Gemeinsam lässt sich leichter herausfinden wo die Ursachen liegen.
  • Ist das Kind motiviert, nehmt dies nicht für selbstverständlich, lobt es trotzdem regelmäßig für erreichte persönliche Ziele.

Und nochmal zurück zum Puzzle:

Um auf dem Weg zum Puzzlebild nicht aufzugeben, legt so oft es geht ein Puzzelteil und steht regelmäßig auf um mit Abstand das entstehende Bild zu bewundern.

Bevor ihr mit der Arbeit an einem Puzzle beginnt, fragt Euch WARUM ihr das Puzzlebild sehen wollt und ob Euch das wirklich die Mühe wert ist.

Nehmt Rückschläge und Motivationspausen an. Sie gehören genauso dazu wie der Glaube daran, dass all die kleinen Teile am Ende ein Bild ergeben werden.

In diesem Sinne:

Viel Freude mit dem heutigen Puzzleteil und vergesst nicht, auch mal aufzustehen!

 

I

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Autor:

Ich bin Musikerin und begeisterte Hundebloggerin.

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