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Hausmusik – gibt es sie noch?

Wieviel Musik wird eigentlich noch in Familien gemacht? Oder in WG`s? Oder Kommunen… 😉 Ok, Spaß bei Seite, mal im Ernst, macht Ihr Hausmusik? Beim Stöbern zu diesem Thema bin ich auf die Leipziger Nacht der Hausmusik gestoßen, ein interessanter Gedanke! Da werden Wohnzimmer geöffnet in denen man dann Musik hören kann, allerdings wohl nicht immer von den tatsächlichen Bewohnern. Aber wie „musikalisch“ geht es in den Wohnungen im Alltag zu?

Wenn ich mal ganz unwissenschaftlich eine Studie mit meinen Schülern und deren Familien aufstellen würde, dann käme ich zu folgenden Ergebnis:

Kinder die in Familien mit mehreren Geschwistern leben und zum Musikunterricht gehen, haben meistens auch Eltern und Geschwister die ein Instrument lernen und damit eine statistisch größere Chance auf „Hausmusik“. Ich selbst bin zum Beispiel ein gutes Gegenbeispiel. Ich bin OHNE -lebende- Geschwister aufgewachsen und meine Eltern spielen KEIN Instrument. Aber so einfach ist das sicher nicht, aber ich kenne für beide Varianten mehrere Beispiele.

Ich hätte gerne mit der eigenen Familien musiziert und freue mich immer, wenn ich merke, dass sich Eltern meiner Schüler aktiv für das interessieren, was ihre Kinder lernen.

Es gibt auch Eltern-Kind-Paare unter meinen Schülern.

Meistens wurde zuerst das Kind in den Unterricht geschickt, ein Elternteil hat daheim fleißig beim Üben mitgeholfen und sich dann irgendwann gesagt: „Ich übe eh jeden Tag, jetzt kann ich auch Unterricht nehmen… auf einer GANZEN Geige!“ Mir macht die Arbeit mit solchen musikalischen Familien sehr großen Spaß, da ich beobachten kann, wie Eltern und Kinder ein gemeinsames, verbindendes „Thema“ haben und das bringt LEBEN in den Unterricht und wohl auch in`s häusliche Üben. Meistens ist es so, dass Kind und Elternteil aufeinanderfolgende Unterrichtsstunden haben. Mal sind die Stunden klarer abgegrenzt, dann gibt es wieder mehr Überschneidungspunkte, da entwickelt sich – trotz pädagogischer Planung 😀 – eine Art Eigendynamik, das finde ich spannend!

Ich glaube die berüchtigte „Schere“ geht weit auseinander.

Es soll ja Kinder geben, die zu Hause noch nie ein Weihnachtslied oder etwas anderes gesungen haben. Solchen Kindern bin ich in meinem Beruf noch nicht begegnet, wer sein Kind zu mir schickt, hat auf jeden Fall schonmal was von Do-it-yourself-Musik gehört. Mein Gefühl sagt mir aber, dass meine Schüler nicht die Mehrzahl der Kinder repräsentieren, sondern eher einen Bruchteil. Was für Erfahrungen habt Ihr gesammelt? Für alle die unter ein bestimmtes Einkommen fallen, ist Musikunterricht schlichtweg garnicht bezahlbar…die Stunden sind vielleicht noch machbar, aber dann kommt die Miete für ein Instrument, die Noten, die Fahrt zum Lehrer…..es sammelt sich. Und wenn es dann keine Großeltern gibt, die als „Sponsoren“ einspringen…schwierig.

Hat eigentlich noch irgendjemand ZEIT?

Wer jetzt sagt „Ich hab ein Abo!“, nein, das meine ich nicht! Ich meine FREIzeit. Hausmusik braucht ja auch Zeit und Ruhe, hat das noch irgendjemand? Ich habe oft das Gefühl, dass ganz viele Menschen – gerade Menschen mit Kindern – den ganzen Tag Termine „abfahren“ und wenn sie Glück haben, eventuell noch genügend Schlaf abstauben können. Arbeiten, Kind von der Schule holen oder heimkommendes Kind ernähren, Kind einpacken und zum ersten Hobby fahren, vielleicht noch Kind 2 und Kind 3 zu weiteren Hobbys fahren, zwischendurch einkaufen, Auto waschen, Kind 2, 3 und/oder 1 abholen und zum nächsten Hobby fahren oder die Hausaufgaben beaufsichtigen – manchmal auch selber machen, weil das Kind selbst keine Zeit hat. Abends dann putzen und auf dem Sofa einschlafen. Ich habe ganz große Achtung vor den Eltern wie sie das schaffen, aber eigentlich ist das doch ungesund, oder? Selbst wenn da ein musikalisches Interesse vorhanden ist, WANN sollen diese Familien denn die Hausmusik zwischenschieben? Oder ist es garnicht so dramatisch? Wie erlebt Ihr das?

Ist es „uncool“ noch „cool“ zu sagen oder dass man ein gemeinsames Hobby mit den ELTERN hat?

Hip sein, trendig, cool oder bewusst das Gegenteil davon… zu einer Schublade zu gehören scheint mir – dank omnipräsenter Medien – gerade für junge Menschen wichtig zu sein. Wie sehr liegt es „im Trend“ mit seinen Eltern abends die Geigen/Klarinetten/Gitarren auszupacken? Ok, es wird wohl immer cool sein in einer Band zu spielen, das halte ich für zeitlos, aber es war auch schon immer „uncool“ mit SEINEN ELTERN – oder Geschwistern – in EINER Band zu spielen. Ich hatte sogar mal eine Frau am Telefon die mir gebeichtet hat, dass sie heimlich ein Instrument lernt, weil sie im Bekanntenkreis nicht als abgehoben gelten möchte. Es ist also nicht nur für Kinder uncool mit den Eltern etwas gemein zu haben, es ist auch manchen Eltern peinlich. Interessant. Aber warum ist das so?

Und bevor ich jetzt diesen Blogbeitrag binden lassen muss um ihn als Roman zu verkaufen, frage ich jetzt EUCH:

Was für Erfahrungen mit Hausmusik habt Ihr gesammelt? Macht Ihr selber welche? Wenden Eure Schüler das zu Hause an, was sie bei Euch lernen? Schreibt mir Kommentare, ich bin gespannt!!!

 

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Autor:

Ich bin Musikerin und begeisterte Hundebloggerin.

2 Kommentare zu „Hausmusik – gibt es sie noch?

  1. Ich wurde in eine musikalische Familie geboren, meine Eltern lernten sich im Kirchenchor kennen, beide spielten Klavier und gaben auch Unterricht. Mein Vater hat viele Jahre lang Tanzmusik gemacht, um das Familienbudjet aufzubessern. Ich wollte nicht Klavier spielen und wünschte mir Geigenunterricht, den ich auch bekam. Irgendwann habe ich mir eine Gitarre zugelegt, später habe ich dann noch das Klavierspiel erlernt. Hausmusik haben wir immer gemacht und machen sie auch heute noch. Meine Kinder sind beide musikalisch, der Sohn hat leider kein Instrument richtig erlernt, meine Tochter spielt Kalvier und gemeinsam spielen wir Flötenduette. Bei uns ist also immer etwas los in musikalischer Richtung. Heute gebe ich meinem Enkel (8) Gitarrenunterricht und gerade in der letzten Woche hatte er seinen ersten Auftritt in der Schule, einer musikalischen Grundschule. Ich war megastolz auf ihn und dachte mir: Alles richtig gemacht!
    LG Regina

    1. Liebe Regina,
      wow, also bei Euch lebt die Musik in den eigenen 4 Wänden, das ist toll! Ich wünsche Euch weiterhin so viel Freude am gemeinsamen musizieren! Danke für Deinen schönen Kommentar.

      Ulrike

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