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Johannes, bist Du ein Musiker?

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Oft werde ich gefragt, ob mein Mann – Johannes Greber – auch Musiker ist. Dass das keine so triviale Frage ist, werdet Ihr im Folgenden merken und dabei auch noch einiges über Physik, Jazz und den Kontrabass erfahren. Los geht’s!

Johannes, ich habe bisher alle meine Interviewpartner nach dem Alter gefragt, darf ich das auch bei Dir?

Ich muss mal kurz rechnen….ich glaube, ich werde dieses Jahr 33.

Eine Schnapszahl, gibst Du mir dann einen aus?

Na klar, wenn es so weit ist.

Danke! Ich komme jetzt direkt zum Thema. Ich wurde schon mehrmals gefragt, ob Du auch Musiker bist und ich konnte diese Frage nie ehrlichen Herzens verneinen. Wie siehst Du das?

Ich meine, das ist eine Frage der Definition. Wenn ein Musiker jemand ist, der einfach Musik macht, dann bin ich devinitiv ein Musiker. Wenn aber jemand dann ein Musiker ist, wenn er mit der Musik auch Geld verdient, dann bin ich im Moment kein Musiker, war es aber mal.

Ich persönlich würde in Hobby- und Berufsmusiker unterteilen.

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Der Beruf des Musikers ist kein geschützter Beruf, theoretisch kann sich jeder so nennen. Ich kenne einige studierte Musiker, für die das Studium und die Bezeichnung „Musiker“ untrennbar sind. Ich persönlich bin der Meinung, dass Musik zu den Künsten gehört und eine standardisierte Ausbildung wie ein Studium nicht unbedingt für jeden künstlerischen Geist der richtige Weg sein muss. Deshalb zählt für mich mehr das künstlerische oder pädagogische Resultat das jemanden zum Musiker macht.

Ich würde Musik nicht über die Kunstform definieren, vielmehr ist Musik eine Art seine Gefühle auszudrücken. Das kann auch zum Beispiel dadurch geschehen, dass ich unter der Dusche singe, das geht aber mit sicherheit auch dadurch, dass ich meine Gefühle in das Bassspiel lege. In dem Moment in dem ich die Saiten anschlage, mache ich mir keine Gedanken darüber, ob ich Künstler bin, sondern lege lieber meine Emotionen in den nächsten Ton.

Also findest Du, dass in jedem von uns theoretisch ein Musiker steckt?

Ich möchte mal so weit gehen und Musik als Sprache zu bezeichnen und das Bedürfnis sich auszudrücken, steckt in jedem von uns.

Dann wäre man ein Musiker, sobald man die „Sprache der Musik“ für sich verwendet.

Ja, aber tut man das nicht sowieso immer? Man spricht ja auch von „Sprachmelodie“.

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Das bedeutet, dass ich das nächste Mal auf die Frage, ob Du auch ein Musiker bist, ganz klar mit JA antworten sollte.

Unbedingt!

Dein Instrument ist ja der Kontrabass, warum gerade ein so großes Instrument?

Das ist die Standardfrage an einen Bassisten…..wieso man nicht die Piccoloflöte gelernt hat. -lacht-

Aber ganz ehrlich…

Ja bitte ehrlich! -muss auch lachen-

Ich habe damals als Jugendlicher sehr viel Jazz gehört. Und wenn man das macht und auch ein Instrument nach Jazzspielweise lernt, so wie ich damals Saxophon, dann merkt man schnell, dass jedes Instrument in einem Ensemble oder in einer Band eine gewisse Aufgabe erfüllt. Ich gebe mal ein Beispiel: Das Schlagzeug ist für den rhythmischen Zusammenhalt zuständig und steht damit auch im Vordergrund. Der Bass ist auch für den rhythmischen Zusammenhalt wichtig, spielt aber auch harmonisch eine übergeordnete Rolle.

Übergeordnet über was?

Wenn ein Klavier zum Beispiel einen C-Dur Dreiklang spielt (Töne: C-E-G), dann klingt es wenn ich als Bassist ein A dazu spiele immer wie a-moll Septakkord (A-C-E-G). Das liegt einfach an der Tiefe des Instrumentes, dass das A wie ein Grundton klingt.

Du kannst dem Pianisten also seine Tonart „wegnehmen“?

Ja, genau! Der Bass hat die Macht über die Klangfarbe.

Erklärst Du uns den Klangfarbenunterschied zwischen C-Dur und a-moll?

Es geht immer auf den Unterschied zwischen Dur und moll zurück. Der Dur-Klang hat immer etwas Klares und der moll-Klang hat dagegen etwas melancholisches nach unseren (europäischen/amerikanischen) Hörgewohnheiten.

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Und dieser Einfluss auf die Klangfarben hat Dich dazu bewogen Kontrabass zu lernen?

Auch. Vor allem hat mich aber der Klang ganz tief ins Herz getroffen. Die Vibrationen, die beim Anschlag einer Saite am Kontrabass entstehen nimmt man nicht nur am Ohr wahr, sondern sie gehen auch durch den ganzen Körper. Und ich persönlich nehme diese tiefen Vibrationen als etwas zutiefst entspannendes wahr.

Die Vibrationen meiner Bratsche kann ich auch über das Kinn spüren, stärker als bei der Geige. Aber das ist tatsächlich kein Vergleich zu einem schwingenden Kontrabass, das spürt man ganz schnell, wenn man die flache Hand auf die hölzerne Decke des klingenden Instrumentes legt. Das kribbelt dann richtig in den Händen! Es soll tatsächlich auch gehörlose Schlagzeuger geben, die sich allein an den Vibrationen orientieren, die sie mit dem gesamten Körper spüren. Ein spannendes Thema! Und damit sind wir schon gaaaanz nah an der Physik, Du bist ja studierter Physiker….

Ja, Musik basiert auf Physik. Das liegt ganz einfach erstmal daran, dass Musik auf Schall beruht und Schall ist die in Wellen fortgetragene Vibration der Luft. Auch unser Hörempfinden unterliegt physikalischen Prinzipien, ein Beispiel: Töne im Abstand einer Oktave werden als ähnlich klingend empfunden weil ihr Frequenzverhältnis 1:2 ist. Und grob gesagt gilt auch, dass je kleiner dieses Verhältnis ist, desto „spannender“ wird das Intervall empfunden.

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Aber das sind nicht die Forschungsfragen, denen Du Dich in den letzten Jahren gewidmet hast, oder?

Nein. Die sind zusammengefasst in einem 190-seitigen Dokument.

Aha.

Aber das ist eigentlich ein wichtiger Punkt. Es gibt viele Naturwissenschaftler, die ein Musikinstrument beherrschen und Musik gilt als etwas sehr Kreatives, wobei Naturwissenschaften eigentlich eher den Ruf haben „kalkulierbar“ zu sein.

Was meinst Du mit „kalkulierbar“?

Zum Beispiel gibt es in der Physik so wie man sie aus der Schule kennt „richtige“ und „falsche“ Antworten. Damit wird man der Physik aber nicht wirklich gerecht. Es mag sein, dass Physik ein „Handwerkszeug“ ist mit dem man in der Forschung völlig unbekannten neuen Dingen entgegen tritt. Aber man braucht viel Kreativität um das „Handwerkszeug“ erfolgreich anzuwenden.

Also es gibt keine Ikea-Bastelanleitung für die vielen Formeln… 😉

Nein, die gibt es definitiv nicht.

 

Möchtest Du mir noch eine Frage stellen?

Du bist ja Berufsmusikerin, was ist Musik für Dich?

Wow, eine umfassende Frage auf die es von meiner Seite keine einfache Antwort gibt. Musik ist für mich ganz Vieles! Zum einen ist Musik auch für mich ein wunderbares Mittel um „zu sprechen“, aber Musik kann mich im Gegenzug auch auf eine Weise „ansprechen“ die mich im Innersten erreicht. Musik ist für mich auch Hoffnung, denn Musik ist grundsätzlich weder gut noch böse, dafür aber tief, komplex und kann wunderschön sein. Die Tatsache, dass es etwas so SCHÖNES gibt, sagt mir immer wieder, dass das Leben sehr lebenswert ist, auch in schwierigen Momenten.

Also ist Musik auch für Dich ein Ausdruck von Emotion?

Sehr vereinfacht gesagt, ja.

Ich danke für das Gespräch…. -lacht laut auf-

Ja, OK, wir sind fertig. Vielen Dank!

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Autor:

Ich bin Musikerin und begeisterte Hundebloggerin.

2 Kommentare zu „Johannes, bist Du ein Musiker?

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