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Ein paar kleine Gedanken zum Thema „Üben“

Manchmal erzählen mir Eltern von Schülerinnen oder Schülern, dass Ihr Kind zwar auf Nachfrage immer wieder beteuert, sein Instrument lernen zu wollen, aber zu Hause keine rechte Lust zum Üben hat. Das hat mich dazu angeregt darüber nachzudenken, was ich mit dem Wort „ÜBEN“ verbinde und wie man diese Kinder dazu motivieren könnte. Meine Überlegungen sind noch nicht abgeschlossen, aber die ersten Gedanken möchte ich heute mit Euch teilen:

Mir kam schnell zwei Hauptgedanken. Zuerst dachte ich darüber nach, was ich lange mit dem Wort ÜBEN verknüpft habe…

…und es schwang früher immer ein Anspruch von Leistung darin mit.

Wenn ich mich also nicht absolut fit fühlte, wollte ich oft lieber nicht wissen, was ich an so einem Tag für Töne fabrizieren würde… sie würden mir und der Umwelt sicher NICHT GEFALLEN. Die Hemmschwelle mit solchen Gefühlen trotzdem das Instrument in die Hand zu nehmen, war dann hoch. Klar, man kann eine hohe Hemmschwelle mit Ehrgeiz oder Pflichtbewusstsein trotzdem überwinden, aber das sind in der Regel nicht die Eigenschaften, die bei Kindern am stärksten ausgeprägt sind oder sein sollten…(meine Meinung). Also habe ich mir die Frage gestellt:

Was wäre ÜBEN ohne einen direkten Leistungsanspruch?

Der erste Gedanke der mir kam, war folgender: Das kann doch nichts taugen! Und als nächstes stellte ich mir die Frage, warum ich das eigentlich so sehe? Wahrscheinlich weil ich es irgendwann mal von Irgendjemanden übernommen habe und es seither von mir nicht hinterfragt wurde. Und das, obwohl ich Wörter wie „FLOW“ und Floskeln a la „Freude am Lernen“ kenne.

Kinder haben ihren Spieltrieb um die Welt mit Leichtigkeit zu erkunden.

Kinder kommen nicht mit dem Gedanken auf die Welt: Ich MUSS mit der Puppe RICHTIG spielen, nein, sie spielen einfach mit der Puppe! Oder mit der Eisenbahn, oder, oder… sie haben Spaß dabei soziale Rollen zu erkunden und auszuprobieren (Vater-Mutter-Kind) oder festzustellen, dass Kreide auch Wände bunt färben kann. Sie merken dabei gar nicht, dass sie LERNEN.

Warum funktioniert das am Instrument nicht genauso mühelos?

Das ist eine Frage, die ich mir natürlich auch als Lehrerin stellen muss und mit der ich noch einiges an Zeit verbringen werde. Ich möchte diese Frage aber auch an Euch stellen, an Eltern, an Schüler, an Interessierte.

Warum übt man eigentlich? Was ist ÜBEN?

Üben wird die Zeit genannt, die man alleine mit seinem Instrument, also ohne Lehrer verbringt. Natürlich wird auch im Unterricht geübt, aber das ist nicht das, was landläufig mit ÜBEN verknüpft wird. Die Zeit, die wir mit unserem Instrument verbringen, ist doch eigentlich der Grund, warum wir überhaupt Unterricht nehmen: Um zu erfahren, was wir mit diesem Instrument in unserer Freizeit alles machen können. Das wird im Zusammenhang mit dem Wort ÜBEN anscheinend ganz schnell vergessen.

Wir wollen mit unserem Instrument Freude haben!

Es geht beim Üben in den seltensten Fällen um Perfektion. Sicherlich geht es auch darum Fortschritte zu machen, aber wenn wir etwas mit Hingebung und Freude tun, dann machen wir automatisch Fortschritte!

Bitte wartet nicht darauf an Eurem Instrument Freude zu haben, bis Ihr es vermeintlich perfekt beherrscht…. 

…denn dann werdet Ihr niemals Freude beim Spielen oder Üben erfahren, denn man lernt am Instrument ein Leben lang und wird nicht „fertig“. Habt bitte vielmehr Freude am Entdecken, Ausprobieren, Erkunden. Das Instrument ist nicht dazu da, dass Ihr es nur an besonders guten Tagen spielt, nein, es kann Euch an guten Tagen begleiten und an schlechten trösten oder aufbauen. Bitte vermittelt das auch Euren Kindern, sie üben nicht um zu ÜBEN, sondern um eine schöne Zeit mit ihrem Instrument zu verbringen.

Was kann man als Eltern tun um sein Kind zu unterstützen?

Ihr könnt ein gutes Vorbild sein. Zeigt Euren Kindern, dass lernen Freude macht, dass ÜBEN ein anderes Wort für PROBIEREN und ERKUNDEN ist und dass es keine Last sein muss, seine Fähigkeiten zu erweitern.

Sagt Eurem Kind, dass es automatisch Fortschritte macht, wenn es Freude an dem hat, was es tut.

Unterstützt Euer Kind dabei in seinem Tagesablauf Zeit für sein Instrument einzubauen. Das Können die wenigsten Kinder von alleine. Vielleicht könnt Ihr ihm vermitteln, dass Üben eher eine Belohnung als eine Verpflichtung ist?

Üben ist auch sinnvoll, wenn es im Moment keinen augenscheinlichen Fortschritt gibt. Erwartet von Euren Kindern keine Wunder, sondern unterstützt sie dabei Freude bei dem zu empfinden, was sie tun.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf wünsche ich Euch ein wunderschönes Wochenende!

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Autor:

Ich bin Musikerin und begeisterte Hundebloggerin.

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