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Das Vorzeigekind

Bei Schülern im Grundschulalter habe ich gerne ein Elternteil im Unterricht dabei. Die Kinder fühlen sich dann sicher, die Eltern sehen, wie der Unterricht abläuft und können dem Kind zu Hause bei Erinnerungslücken eine Gedankenstütze sein. Problematisch wird es dann, wenn die Eltern im Unterricht anfangen zu kommentieren oder zurecht zu weisen. Ist es Anfangs noch ein „Höre zu!“ oder „Steh gerade!“ wird später daraus ein „Streich doch gerade!“ oder „Nimm die Geige hoch!“

Inzwischen weiß ich, wie wichtig es ist den Eltern zu sagen, dass sie damit den Druck auf ihr Kind enorm erhöhen. Ich lasse im Unterricht oft ganz bewusst ein Kind ein Stück unperfekt zu Ende spielen, damit es erleben kann, dass ihm der Raum gegeben wird, seine Sache zu Ende zu bringen. Oder ich setze den Fokus gezielt auf bestimmte Themen. Wenn das Kind von mir die Aufgabe bekommen hat darauf zu achten gerade zu streichen, dann werde ich nur im Notfall etwas zum Thema „sauber greifen“ sagen und umgekehrt. Ein Notfall tritt dann ein, wenn die Gefahr besteht, dass sich zum Beispiel eine ungesunde Haltung verfestigt. In der Instrumentalpädagogik spricht man zum Beispiel von „Rotierender Aufmerksamkeit“. Da man sich kaum auf mehrere komplexe Aufgabenstellungen gleichzeitig konzentrieren kann, werden diese nacheinander bearbeitet. Damit habe ich beim eigenen Üben sehr gute Erfahrungen machen können und lege Wert darauf dies auch im Unterricht zu vermitteln.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass manche Eltern sich selber unwohl fühlen, wenn ihr Kind nicht nach Plan funktioniert. Dabei liegt es mir fern, einen perfekten Schülerautomaten vor mir im Unterricht haben zu wollen. Ich lasse mir gerne etwas Zeit um ein Kind kennenlernen zu können, bevor ich mich entscheide wie, wo und was ich wann im Unterricht korrigiere und was nicht. Wenn Eltern nun von Anfang an durch ihre Korrekturen am Kind in das Unterrichtsgeschehen eingreifen, dann lerne ich mehr über die Wünsche der Eltern, als über den Charakter und die Bedürfnisse des Kindes. Das ist sehr schade.

Es hat auch schon geholfen, einem übereifrigen Elternteil, das hart mit seinem Kind ins Gericht ging, selbst ein Instrument in die Hand zu drücken, um zu zeigen, dass manches eben nicht einfach sofort und gleichzeitig umsetzbar ist.

 

 

 

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Ich bin Musikerin und begeisterte Hundebloggerin.

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