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10 Minuten üben – Überlebensstrategien für eilige Musikfreunde

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Zeiten in denen Zeit und Motivation knapp sind kennt jeder von uns! Der innere Druck steigt, das schlechte Gewissen wird immer lauter, der Lehrer guckt kritisch und die Finger folgen nur träge. Was kann man tun? Ärgern schon mal nicht, das habe ich probiert, hat aber nix gebracht. Lieber 10 Minuten üben als gar nicht, kann dagegen schon recht viel bringen! Und wie Ihr diese Zeit effektiv nutzen könnt, darum dreht sich der heutige Beitrag. 

Das Timing

Wählt Euch 10 Minuten (bei 9 oder 12 schimpft auch keiner) zu einer eher ruhigen Tageszeit aus. Zwischen „Zähneputzen“ und „Schulbus schaffen“ ist eher ungünstig. Zwischen einem Meeting und dem nächsten ICE auch. Mit „günstig“ meine ich eine Zeit, zu der Ihr (oder Euer Kind) zum Beispiel einen Raum für Euch alleine haben könnt. Eine Zeit in der Ihr (oder Euer Kind) für 10 Minuten das Handy ausschaltet. 10 Minuten in Ihr für andere keine „Sprechstunde“ habt (haben müsst) und nur für Euch selbst da sein könnt.

Die Vorbereitung

Um die Hemmschwelle zum Instrument zu greifen niedrig zu halten, bewahrt es leicht zugänglich auf. Das Klavier nicht als Ablage nutzen, die Geige nicht im Schrank hinter der Bettwäsche aufbewahren…. Ihr wisst was ich meine 😉 . Legt Eure aktuellen Noten aufgeschlagen auf den Notenständer und lagert Euer Instrument so, dass Ihr es mit wenigen Handgriffen startklar machen könnt.

Das realistische Übeziel

In 10 Minuten lernen die Meisten von uns keine ganze Sonate auswendig. Aber in 10 Minuten kann man an 1 bis 2 schwierigen Stellen aufmerksam feilen, man kann sein Lieblingsstück (zumindest Auszugsweise) durchspielen, man kann eine Zeile neu dazu lernen (und am nächsten Tag festigen). Setzt Euch lieber ein kleines Ziel, damit Ihr es erreichen könnt und nach den 10 Minuten mit einem zufriedenen Gefühl das Üben beendet. Musik soll Euch Freude bereiten, dafür sind Erfolgserlebnisse wichtig!

Die Übestrategie

Ihr habt keinen Plan wie ihr die 10 Minuten sinnvoll nutzen könnt? Ich biete Euch heute ein paar Ideen an:

Bekanntes Stück „aufpolieren“

Dafür spielt Ihr Euer Stücke einmal durch (oder einen Teil davon). Entweder stellt Ihr fest, dass heute alles richtig gut läuft, oder Ihr bemerkt ein paar Stellen die noch nicht so recht funktionieren wollen. Diese Stellen solltet Ihr Euch markieren (Bleistift zücken, Kreuzchen setzen). Wenn die Zeit noch reicht um eine dieser Stellen zu üben, dann stellt Euch ein paar Fragen zur Stelle:

  • Fällt mir wirklich die ganze Stelle schwer ?
  • Verunsichert mich ein Teil davon so sehr, dass ich während der ganzen Stelle verkrampft bin? Manchmal sind es nur 3 Noten oder ein Übergang die eine gesamte Zeile zum Spießrutenlauf machen.
  • Was bereitet mir Schwierigkeiten?
  • Kenne ich die Stelle gut? (Hörerwartung, Bewegungsablauf, Notenbild…)
  • Passt mein Fingersatz?
  • Ist die Bewegung noch unsicher?
  • Mache ich vielleicht eine ungünstige Ausweichsbewegung die mich behindert?
  • Fühlt sich mein Körper gut an?
  • Habe ich Fragen zur Stelle?
  • usw.

Neues Stück/Etüde erarbeiten

Wenn Euer Stück noch ganz neu auf Eurem Notenständer liegt und Ihr nicht wisst wo Ihr anfangen sollt ( in 10 Minuten ) dann geben Euch vielleicht die folgenden Stichpunkte Inspiration wofür man 10 Minuten effektiv nutzen kann.

Ganz wichtig: 10 Minuten reichen ungefähr für EINE dieser Ideen:

  • Hört Euch das Stück aufmerksam an und lest dabei evtl. auch die Noten mit. Wie ist es aufgebaut? Gibt es Wiederholungen? Habt Ihr ein Spontanes Gefühl zum Stück?
  • Gliedert das Stück in Abschnitte: erst grob in Teile (schneller Teil, langsamer Teil, Teil in Dur oder moll, Teil mit einem bestimmten Motiv, Teil mit einem ganz anderen Motiv….). Danach könnt Ihr den ersten Teil in kleinere Abschnitte gliedern: Melodiebögen, Phrasen, sinnvolle Übungseinheiten. Melodiebögen sind gerne 4, 8 oder 16 Takte lang (dieses Wissen hilft beim Suchen danach). Anspielen und Anhören helfen beim Gliedern
  • Ihr beginnt den ersten gegliederten Teil zu üben. Gibt es Wiederholungen? Was müsst Ihr tatsächlich üben? Nehmt Euch die erste Phrase oder den ersten Melodiebogen oder Übeabschnitt vor. Wenn Ihr nach den 10 Minuten einen kleinen Abschnitt besser kennt, habt Ihr Euer Ziel erreicht.
  • Wiederholt Phrasen/Abschnitte/Teile die Ihr in den letzten Tagen geübt habt.
  • Hört Euch das bereits schon etwas bekannte Stück nochmal an. Hat sich Euer Gefühl dazu geändert? Welche Stellen könnt Ihr schon? Welche wollt Ihr in den nächsten Tagen erkunden? (Zwischenplanung)
  • Ihr könnt eine Stelle technisch üben (Haltung, Fingersatz, Geläufigkeit, Sicherheit…)
  • Ihr könnt eine Stelle musikalisch üben (Welche Gefühle soll sie transportieren? Wie könnte man das klanglich erreichen??
  • usw.

Ich hoffe ich konnte Euch etwas Inspiration schenken wie Ihr auch mit wenig Zeit Euren Zielen näher kommen könnt. Ich wünsche Euch viel Freude dabei! 

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Autor:

Ich bin Musikerin und begeisterte Bloggerin!